Ein Spaziergang durch die Geschichte, Natur und Stadtentwicklung
Stadt und Natur stehen oft in Konkurrenz – doch beide haben ihre Berechtigung und sind unverzichtbar. Am Beispiel des Gebiets zwischen Lichterfelder Ring und Waldsassener Straße lässt sich diese Wechselwirkung gut nachvollziehen: Ursprünglich als Feld genutzt, entwickelte sich hier nach dem Mauerfall ein vielfältiger Naturraum. Heute steht das Areal vor einem erneuten Wandel, denn ein Teil wird bald einer Siedlungserweiterung weichen. Der Spaziergang beleuchtet die Geschichte, die ökologische Bedeutung und die aktuellen Entwicklungen dieses Ortes und stellt die Frage: Können Natur und Stadt eine echte Koexistenz führen?
Entwicklung vom Mauerfall bis heute
Entstehung des Birkenwäldchens
Besuch des Ponyhofs
Baustelle vs. Artenvielfalt
Naturschutzmaßnahmen vor, während und nach dem Bau
Hummel-Insel: Oase im Wohnviertel
Die Tour startet an der Infotafel an der Turmfalkenwiese. Diese befindet sich mitten im Grenzstreifen der ehemaligen DDR und ist heute nicht nur Lebensraum für Turmfalken, sondern auch für Feldlerchen, Grauammern, Fasane sowie viele Insektenarten.
Der ehemalige Patrouillienweg der Grenztruppe der DDR hat eine Länge von ca. 160 Kilometern und umrundet das ehemalige West-Berlin nahezu vollständig. Heute ist er beliebter Wanderweg und Radtour-Strecke.
Das Birkenwäldchen in Marienfelde Süd entstand Anfang der 2000er Jahre durch natürliche Sukzession auf einer ungenutzten Fläche direkt an der Grenze zur ehemaligen DDR. Nachdem die frühere landwirtschaftliche Nutzung endete und das Gelände jahrzehntelang ungenutzt blieb, kehrten Birken als typische Pionierbäume zurück und bildeten innerhalb weniger Jahre einen jungen Wald. Heute wird das Gebiet im Flächennutzungsplan offiziell als Wald geführt.
Der Ponyhof „Zu den flotten Hufen“ ist seit 2002 ein wichtiger Treffpunkt für Kinder und Familien in Marienfelde. Hier lernen Kinder den Umgang mit Ponys, nehmen an Reitgruppen, Ferienkursen und integrativen Projekten mit Schulen und sozialen Einrichtungen teil. 2025 muss der Hof wegen der geplanten Siedlungserweiterung „Mariengrün“ weichen und verliert damit seinen langjährigen Standort im Stadtteil.
Gittis Hummel-Insel ist eine naturnah gestaltete Wildblumen- und Insektenwiese im Berliner Stadtteil Marienfelde. Die Fläche wurde ehrenamtlich von einer Anwohnerin angelegt und bis heute betreut. Die Hummel-Insel stellt für Vögel und Insekten einen wertvollen Lebensraum dar. Das Projekt steht exemplarisch für das Engagement der Nachbarschaft und zeigt, wie öffentliche Grünflächen nachhaltig für Natur und Gemeinschaft genutzt werden können.
Von 1968 bis 1989 lag die Turmfalkenwiese im Grenzgebiet der ehemaligen DDR.
Bis 1989 das Schuldorf der Gustav Heinemann Oberschule entstand, war das Gebiet zwischen dem Lichterfelder Ring im Norden und der Waldsassener Straße im Süden unbebaute Freifläche die größtenteils als Feld bewirtschaftet wurde. In den frühen 2000er Jahren wurde der nördliche Teil dieser Fläche vom Ponyhof "Zu den flotten Hufen" bezogen.
Im Jahr 2023 wurde die Fläche zwischen Lichterfelder Ring und Waldsassener Straße von Grünfläche in drei nahezu gleichgroße Teilgebiete mit unterschiedlicher Nutzung umgeschrieben: Wohnfläche (Ponyhof), Wald (Birkenwäldchen) und Gemeinbedarfsfläche (Schuldorf GHO).
Die Begehungen für ein Gutachten fanden 2020 und 2021 statt und ergaben Nachweise von 26 Vogelarten, 5 Fledermausarten sowie der Zauneidechse. Gelbspötter und Schwarzspecht wurden gesichtet, zeigten aber keine Brutnachweise im Gebiet, und Brutplätze des Schwarzspechts waren nicht zu erwarten. Fledermäuse nutzten das Gebiet nur als Jagdrevier, ohne Quartiere. Somit konnten relevante Verbotstatbestände des Bundesnaturschutzgesetzes durch Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen vermieden werden.
Als Auflage für die Erweiterung der Siedlung Mariengrün auf dem ehemaligen Gelände des Ponyhofs sind sowohl Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen als auch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen.
Das Fällen und Abschneiden von Gehölzen ist nur zwischen dem 1. Oktober und 28./29. Februar erlaubt. Dies schützt Brutvögel und minimiert die Gefahr für Fledermäuse in Baumquartieren.
Vor dem Fällen wird jeder Baum auf Fledermäuse und Brutvögel geprüft. Besetzte Quartiere dürfen erst nachweislich verlassen oder die Tiere müssen fachgerecht umgesiedelt werden.
Falls Bäume auf dem Ponyhof gefällt werden, müssen Nistkästen nach Besatzkontrolle abgenommen werden. Sie werden dann an anderen Bäumen im Plangebiet aufgehängt oder durch neue, typgleiche Kästen ersetzt.
Außenbeleuchtung wird auf das Nötigste begrenzt und Streulicht vermieden. Es werden insektenfreundliche Leuchten mit wenig UV-Licht und niedriger Installation genutzt.
Zauneidechsen werden vor Baubeginn aus dem Baufeld gefangen und in ein Ersatzhabitat umgesetzt. Das Baugebiet wird mit einem Reptilienschutzzaun umzäunt, um ein Wiedereinwandern zu verhindern.
Falls das Vogelschlagrisiko an Glasfassaden steigt, sind geeignete Schutzmaßnahmen nötig. Dazu gehören Gläser mit wenig Spiegelung oder auffällige, kontrastreiche Muster auf den Flächen.
Mittleres bis starkes Totholz in der geplanten Parkanlage soll, wenn verkehrssicher, erhalten bleiben. Muss es entnommen werden, wird es in der Nähe umgelagert, um weiterhin als Nahrungshabitat zu dienen.
Als Ausgleich für verlorene Fledermausquartiere werden 10 geeignete Kästen an vitalen Bäumen angebracht. Dies muss unbedingt vor der Beseitigung der potenziellen Quartiere geschehen, um die kontinuierliche ökologische Funktion zu sichern.
Als vorgezogener Ausgleich für verlorene Vogelbrutplätze werden vier Nisthilfen an geeigneten Bäumen befestigt. Diese müssen spätestens im Winter der Baumfällungen aufgehängt werden, damit sie in der darauffolgenden Brutperiode funktionsfähig sind.
Zauneidechsen werden vor Baubeginn eingefangen und in ein vorbereitetes Ersatzhabitat umgesetzt. Dieses Ersatzhabitat wird durch Gehölzentnahme, partielle Mahd und Totholzhaufen aufgewertet, um Eiablage-, Sonn- und Versteckplätze zu schaffen.
Ihr flötender Gesang gehört zum Klangbild vieler Städte – besonders Männchen passen ihre Tonhöhe an, um gegen Straßenlärm anzukommen.
Mit ihrem auffälligen Blau-Gelb ist sie nicht nur hübsch, sondern auch clever: In England knackten Blaumeisen einst Milchflaschen, um an die Sahne zu gelangen.
Ein weit verbreiteter Waldvogel mit auffälligem, erlerntem Gesang, den junge Tiere nur durch Zuhören von älteren Artgenossen richtig ausbilden können.
Er hämmert mit bis zu 20 Schlägen pro Sekunde auf Holz – ein spezieller Schädelbau verhindert dabei Gehirnerschütterungen.
Der graubraune Strauchbewohner fliegt im Winter bis südlich der Sahara – erstaunlich für einen so kleinen Singvogel.
Ein kluger Rabenvogel mit blauen Flügelflecken, der im Herbst tausende Eicheln versteckt und damit zur Verbreitung von Eichen beiträgt.
Diese kluge Rabenvogelart erkennt sich selbst im Spiegel – eine Fähigkeit, die nur wenige Tiere besitzen.
Mit seinem zarten Gesang und dem gelblichen Federkleid ist er kaum zu entdecken – dafür legt er jährlich rund 10.000 Kilometer Zugstrecke zurück.
Fast unsichtbar schraubt er sich an Baumrinde empor – sein gebogener Schnabel hilft ihm, Insekten aus Spalten zu ziehen.
Ein lauter Sänger mit gelbem Gefieder, der in Berlin stark gefährdet ist (Rote Liste Kategorie 2) – wegen Lebensraumverlusts durch intensive Landwirtschaft.
Der kleinste europäische Fink liebt Wärme und singt trillernd aus Baumwipfeln – in Deutschland nimmt sein Bestand vielerorts ab.
Vertraut, aber im Rückzug: Der Spatz, einst Allerweltsvogel, gilt in Berlin mittlerweile als gefährdet (Vorwarnliste der Roten Liste).
Unscheinbar in der Optik, aber auffällig im Balzflug – sie zeigt tänzelnde Luftmanöver und rauen Gesang zur Partnersuche.
Anpassungsfähig und neugierig: Sie passt ihren Gesang an Umweltgeräusche an und lässt sich sogar auf neue Futterquellen ein.
Ein geschickter Insektenjäger in der Luft, der seine Nester an Gebäuden baut – in Berlin inzwischen gefährdet (Rote Liste), u. a. wegen fehlender Brutplätze.
Mit schwarzer (♂) oder brauner (♀) Kappe ausgestattet, fällt sie besonders durch ihren glockenhellen Gesang auf – einer der schönsten im Frühling.
Berühmt für ihren kraftvollen, nächtlichen Gesang.
Grauschwarz gefärbt und hochintelligent – sie benutzt Werkzeuge und zeigt soziales Verhalten in komplexen Gruppenstrukturen.
Größer als andere Tauben und mit weißem Halsfleck gut erkennbar – ihr dumpfes Gurren ist im Frühling weit zu hören.
Trotz des niedlichen Aussehens verteidigt es sein Revier energisch – sogar gegenüber Spiegelbildern.
Größter heimischer Specht mit kräftigem Ruf – seine Baumhöhlen bieten später auch Unterschlupf für viele andere Arten.
Typisch ist ihr Gesang mit wiederholten Phrasen – sie knackt sogar Schneckenhäuser, indem sie sie gegen Steine schleudert.
Sein schillerndes Gefieder und die Fähigkeit, Geräusche und Stimmen zu imitieren, machen ihn besonders – trotzdem gilt er bundesweit als gefährdet (Rote Liste).
Farbenfroh mit rotem Gesicht und gelben Flügelbinden – seine Vorliebe für Distelsamen brachte ihm den Namen „Distelfink“ ein.
Verwechslungsgefahr mit der Weidenmeise – sie ist aber weniger wasseraffin, speichert dafür im Herbst Futter in Rindenspalten.
Winzig, aber laut: Trotz seiner Größe bringt er eine erstaunliche Gesangsfülle hervor – oft doppelt so laut wie größere Singvögel.
Er ist am besten an seinem Namen-erklärenden „zilp-zalp“-Ruf zu erkennen – visuell ist er kaum vom Fitis zu unterscheiden.
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