Tour

Stadt­entwicklung trifft Lebens­raum

Ein Spaziergang durch die Geschichte, Natur und Stadtentwicklung

Stadt und Natur stehen oft in Konkurrenz – doch beide haben ihre Berechtigung und sind unverzichtbar. Am Beispiel des Gebiets zwischen Lichterfelder Ring und Waldsassener Straße lässt sich diese Wechselwirkung gut nachvollziehen: Ursprünglich als Feld genutzt, entwickelte sich hier nach dem Mauerfall ein vielfältiger Naturraum. Heute steht das Areal vor einem erneuten Wandel, denn ein Teil wird bald einer Siedlungserweiterung weichen. Der Spaziergang beleuchtet die Geschichte, die ökologische Bedeutung und die aktuellen Entwicklungen dieses Ortes und stellt die Frage: Können Natur und Stadt eine echte Koexistenz führen?

Termin
29. Juni 2025 um 10:30 Uhr
Dauer
ca. 2 Stunden
Treffpunkt
Infotafel Turmfalkenwiese
Anmeldung
naturraum47@gmail.com

Themen

Entwicklung vom Mauerfall bis heute

Entstehung des Birkenwäldchens

Besuch des Ponyhofs

Baustelle vs. Artenvielfalt

Naturschutzmaßnahmen vor, während und nach dem Bau

Hummel-Insel: Oase im Wohnviertel

Stationen

Die Turmfalkenwiese

Die Tour startet an der Infotafel an der Turmfalkenwiese. Diese befindet sich mitten im Grenzstreifen der ehemaligen DDR und ist heute nicht nur Lebensraum für Turmfalken, sondern auch für Feldlerchen, Grauammern, Fasane sowie viele Insektenarten.

Turmfalkenwiese

Der Mauerweg

Der ehemalige Patrouillienweg der Grenztruppe der DDR hat eine Länge von ca. 160 Kilometern und umrundet das ehemalige West-Berlin nahezu vollständig. Heute ist er beliebter Wanderweg und Radtour-Strecke.

'Mauerweg'

Birkenwäldchen

Das Birkenwäldchen in Marienfelde Süd entstand Anfang der 2000er Jahre durch natürliche Sukzession auf einer ungenutzten Fläche direkt an der Grenze zur ehemaligen DDR. Nachdem die frühere landwirtschaftliche Nutzung endete und das Gelände jahrzehntelang ungenutzt blieb, kehrten Birken als typische Pionierbäume zurück und bildeten innerhalb weniger Jahre einen jungen Wald. Heute wird das Gebiet im Flächennutzungsplan offiziell als Wald geführt.

Birkenwäldchen

Der Ponyhof

Der Ponyhof „Zu den flotten Hufen“ ist seit 2002 ein wichtiger Treffpunkt für Kinder und Familien in Marienfelde. Hier lernen Kinder den Umgang mit Ponys, nehmen an Reitgruppen, Ferienkursen und integrativen Projekten mit Schulen und sozialen Einrichtungen teil. 2025 muss der Hof wegen der geplanten Siedlungserweiterung „Mariengrün“ weichen und verliert damit seinen langjährigen Standort im Stadtteil.

Pferd

Die Hummel-Insel

Gittis Hummel-Insel ist eine naturnah gestaltete Wildblumen- und Insektenwiese im Berliner Stadtteil Marienfelde. Die Fläche wurde ehrenamtlich von einer Anwohnerin angelegt und bis heute betreut. Die Hummel-Insel stellt für Vögel und Insekten einen wertvollen Lebensraum dar. Das Projekt steht exemplarisch für das Engagement der Nachbarschaft und zeigt, wie öffentliche Grünflächen nachhaltig für Natur und Gemeinschaft genutzt werden können.

Hummelinsel

Fakten

Entwicklung des Gebiets

Grenzstreifen und Niemandsland

Von 1968 bis 1989 lag die Turmfalkenwiese im Grenzgebiet der ehemaligen DDR.

Feld und Wiese

Bis 1989 das Schuldorf der Gustav Heinemann Oberschule entstand, war das Gebiet zwischen dem Lichterfelder Ring im Norden und der Waldsassener Straße im Süden unbebaute Freifläche die größtenteils als Feld bewirtschaftet wurde. In den frühen 2000er Jahren wurde der nördliche Teil dieser Fläche vom Ponyhof "Zu den flotten Hufen" bezogen.

Flächennutzungsplan wird angepasst

Im Jahr 2023 wurde die Fläche zwischen Lichterfelder Ring und Waldsassener Straße von Grünfläche in drei nahezu gleichgroße Teilgebiete mit unterschiedlicher Nutzung umgeschrieben: Wohnfläche (Ponyhof), Wald (Birkenwäldchen) und Gemeinbedarfsfläche (Schuldorf GHO).

Artenvielfalt

Die Begehungen für ein Gutachten fanden 2020 und 2021 statt und ergaben Nachweise von 26 Vogelarten, 5 Fledermausarten sowie der Zauneidechse. Gelbspötter und Schwarzspecht wurden gesichtet, zeigten aber keine Brutnachweise im Gebiet, und Brutplätze des Schwarzspechts waren nicht zu erwarten. Fledermäuse nutzten das Gebiet nur als Jagdrevier, ohne Quartiere. Somit konnten relevante Verbotstatbestände des Bundesnaturschutzgesetzes durch Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen vermieden werden.

Naturschutz-Maßnahmen

Als Auflage für die Erweiterung der Siedlung Mariengrün auf dem ehemaligen Gelände des Ponyhofs sind sowohl Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen als auch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen.

Geplante Maßnahmen

Bauzeiten für Gehölzarbeiten

Das Fällen und Abschneiden von Gehölzen ist nur zwischen dem 1. Oktober und 28./29. Februar erlaubt. Dies schützt Brutvögel und minimiert die Gefahr für Fledermäuse in Baumquartieren.

Kontrollen vor Baumfällung

Vor dem Fällen wird jeder Baum auf Fledermäuse und Brutvögel geprüft. Besetzte Quartiere dürfen erst nachweislich verlassen oder die Tiere müssen fachgerecht umgesiedelt werden.

Verlagerung Nistkästen

Falls Bäume auf dem Ponyhof gefällt werden, müssen Nistkästen nach Besatzkontrolle abgenommen werden. Sie werden dann an anderen Bäumen im Plangebiet aufgehängt oder durch neue, typgleiche Kästen ersetzt.

Insektenfreundliche Beleuchtung

Außenbeleuchtung wird auf das Nötigste begrenzt und Streulicht vermieden. Es werden insektenfreundliche Leuchten mit wenig UV-Licht und niedriger Installation genutzt.

Sicherung Zauneidechsen

Zauneidechsen werden vor Baubeginn aus dem Baufeld gefangen und in ein Ersatzhabitat umgesetzt. Das Baugebiet wird mit einem Reptilienschutzzaun umzäunt, um ein Wiedereinwandern zu verhindern.

Sicherung von Glasflächen

Falls das Vogelschlagrisiko an Glasfassaden steigt, sind geeignete Schutzmaßnahmen nötig. Dazu gehören Gläser mit wenig Spiegelung oder auffällige, kontrastreiche Muster auf den Flächen.

Erhaltung von Totholz

Mittleres bis starkes Totholz in der geplanten Parkanlage soll, wenn verkehrssicher, erhalten bleiben. Muss es entnommen werden, wird es in der Nähe umgelagert, um weiterhin als Nahrungshabitat zu dienen.

Ausgleich Fledermausquartiere

Als Ausgleich für verlorene Fledermausquartiere werden 10 geeignete Kästen an vitalen Bäumen angebracht. Dies muss unbedingt vor der Beseitigung der potenziellen Quartiere geschehen, um die kontinuierliche ökologische Funktion zu sichern.

Anbringung Nisthilfen

Als vorgezogener Ausgleich für verlorene Vogelbrutplätze werden vier Nisthilfen an geeigneten Bäumen befestigt. Diese müssen spätestens im Winter der Baumfällungen aufgehängt werden, damit sie in der darauffolgenden Brutperiode funktionsfähig sind.

Umsiedlung Zauneidechsen

Zauneidechsen werden vor Baubeginn eingefangen und in ein vorbereitetes Ersatzhabitat umgesetzt. Dieses Ersatzhabitat wird durch Gehölzentnahme, partielle Mahd und Totholzhaufen aufgewertet, um Eiablage-, Sonn- und Versteckplätze zu schaffen.

Vogelarten im Gebiet

Amsel

Ihr flötender Gesang gehört zum Klangbild vieler Städte – besonders Männchen passen ihre Tonhöhe an, um gegen Straßenlärm anzukommen.

Blaumeise

Mit ihrem auffälligen Blau-Gelb ist sie nicht nur hübsch, sondern auch clever: In England knackten Blaumeisen einst Milchflaschen, um an die Sahne zu gelangen.

Buchfink

Ein weit verbreiteter Waldvogel mit auffälligem, erlerntem Gesang, den junge Tiere nur durch Zuhören von älteren Artgenossen richtig ausbilden können.

Buntspecht

Er hämmert mit bis zu 20 Schlägen pro Sekunde auf Holz – ein spezieller Schädelbau verhindert dabei Gehirnerschütterungen.

Dorngrasmücke

Der graubraune Strauchbewohner fliegt im Winter bis südlich der Sahara – erstaunlich für einen so kleinen Singvogel.

Eichelhäher

Ein kluger Rabenvogel mit blauen Flügelflecken, der im Herbst tausende Eicheln versteckt und damit zur Verbreitung von Eichen beiträgt.

Elster

Diese kluge Rabenvogelart erkennt sich selbst im Spiegel – eine Fähigkeit, die nur wenige Tiere besitzen.

Fitis

Mit seinem zarten Gesang und dem gelblichen Federkleid ist er kaum zu entdecken – dafür legt er jährlich rund 10.000 Kilometer Zugstrecke zurück.

Gartenbaumläufer

Fast unsichtbar schraubt er sich an Baumrinde empor – sein gebogener Schnabel hilft ihm, Insekten aus Spalten zu ziehen.

Gelbspötter

Ein lauter Sänger mit gelbem Gefieder, der in Berlin stark gefährdet ist (Rote Liste Kategorie 2) – wegen Lebensraumverlusts durch intensive Landwirtschaft.

Girlitz

Der kleinste europäische Fink liebt Wärme und singt trillernd aus Baumwipfeln – in Deutschland nimmt sein Bestand vielerorts ab.

Haussperling

Vertraut, aber im Rückzug: Der Spatz, einst Allerweltsvogel, gilt in Berlin mittlerweile als gefährdet (Vorwarnliste der Roten Liste).

Klappergrasmücke

Unscheinbar in der Optik, aber auffällig im Balzflug – sie zeigt tänzelnde Luftmanöver und rauen Gesang zur Partnersuche.

Kohlmeise

Anpassungsfähig und neugierig: Sie passt ihren Gesang an Umweltgeräusche an und lässt sich sogar auf neue Futterquellen ein.

Mehlschwalbe

Ein geschickter Insektenjäger in der Luft, der seine Nester an Gebäuden baut – in Berlin inzwischen gefährdet (Rote Liste), u. a. wegen fehlender Brutplätze.

Mönchsgrasmücke

Mit schwarzer (♂) oder brauner (♀) Kappe ausgestattet, fällt sie besonders durch ihren glockenhellen Gesang auf – einer der schönsten im Frühling.

Nachtigall

Berühmt für ihren kraftvollen, nächtlichen Gesang.

Nebelkrähe

Grauschwarz gefärbt und hochintelligent – sie benutzt Werkzeuge und zeigt soziales Verhalten in komplexen Gruppenstrukturen.

Ringeltaube

Größer als andere Tauben und mit weißem Halsfleck gut erkennbar – ihr dumpfes Gurren ist im Frühling weit zu hören.

Rotkehlchen

Trotz des niedlichen Aussehens verteidigt es sein Revier energisch – sogar gegenüber Spiegelbildern.

Schwarzspecht

Größter heimischer Specht mit kräftigem Ruf – seine Baumhöhlen bieten später auch Unterschlupf für viele andere Arten.

Singdrossel

Typisch ist ihr Gesang mit wiederholten Phrasen – sie knackt sogar Schneckenhäuser, indem sie sie gegen Steine schleudert.

Star

Sein schillerndes Gefieder und die Fähigkeit, Geräusche und Stimmen zu imitieren, machen ihn besonders – trotzdem gilt er bundesweit als gefährdet (Rote Liste).

Stieglitz

Farbenfroh mit rotem Gesicht und gelben Flügelbinden – seine Vorliebe für Distelsamen brachte ihm den Namen „Distelfink“ ein.

Sumpfmeise

Verwechslungsgefahr mit der Weidenmeise – sie ist aber weniger wasseraffin, speichert dafür im Herbst Futter in Rindenspalten.

Zaunkönig

Winzig, aber laut: Trotz seiner Größe bringt er eine erstaunliche Gesangsfülle hervor – oft doppelt so laut wie größere Singvögel.

Zilpzalp

Er ist am besten an seinem Namen-erklärenden „zilp-zalp“-Ruf zu erkennen – visuell ist er kaum vom Fitis zu unterscheiden.

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